Friday, June 1, 2012

Der EM-Blog 1. Juni












Über die depressive Stimmung bei bestimmten Fangruppen und vor allem bei den Medien bezüglich der Form der Nationamannschaft - ein letzter Nachtrag.

Beispielhaft für die Weltuntergangsstimmung in dieser Woche sind die unsäglichen Beiträge der Sportmoderatorin des ZDF Morgenmagazins, Jessica Wellmer.

Geschenkt, das Credo der Medien war und ist "bad news is good news". Was aber beim Thema Nationalmannschaft erstaunt: Nichts ist banal oder unwesentlich genug, um es nicht zu Katastrophe hochstilisieren zu können (ich konnte es mir gerade noch verkneifen, den guten Bruno Labbadia zu ehren und "sterilisieren" zu schreiben).

Nach der Testspiel-Pleite gegen die Schweiz ertrage ich diese Frau nun bereits seit Montag und muss mir anhören, dass die Abwehr nicht steht, mit Schweinsteigers Verletzung das Team ohne Herz und Hirn ist und überhaupt die schlechte Verfassung der Mannschaft Anlass zu grösster Sorge gibt. Eine gesamte Woche depressiver Bulletins gipfelt in der verzweifelten Frage, ob ein Schweinsteiger diese Mannschaft noch retten kann und Deutschland für diese schwere Gruppe gut genug sei. Soweit ist es also gekommen, das Team und mit ihm die Fussballnation steht am Abgrund.

Bislang hatte ich die Dame als sympathisch, professionell und eloquent wahrgenommen. Was immer in sie gefahren sein mag, aber die in dieser Woche abgesonderte Endzeitberichterstattung sollte kommentiert werden - daher:

Liebe Frau Wellmer,
negativer Journalismus in allen Ehren, aber ob der Intensität Ihrer düsteren Vorahnungen hier mal ein paar Gedanken zum Thema Realitätsnähe:

  • Seit Generationen spielen Nationalmannschaften schlechte Testspiele. Das liegt an der Trainingsintensität und an der Tatsache, dass sich niemand vor einem bedeutenden Turnier verletzen will. Dazu die vielleicht überraschende Information, dass in kaum einem Testspiel (vor allem nicht in dem gegen die Schweiz) eine eingespielte Mannschaft, sondern im Gegenteil ein zusammengewürfelter Haufen Testobjekte aufgestellt wird.
  • Trainingslager bauen Kondition auf - mit harten und intensiven Einheiten. Bevor der Körper diese zu Fitness umbaut, geht er durch ein Leistungstief. Statt vieler Details hierzu nur eines: Die Betreuung der deutschen Nationalmannschaft findet auf einem Niveau statt, das im Weltfussball derzeit unerreicht ist. Ich empfehle Ihnen da mal die Website des leitenden Fitnesscoaches bei der NM, Mark Verstegen, viel Spass beim Lesen.
  • Wichtige Spieler gehen beinahe zwangsläufig mit Blessuren in ein Turnier. Das könnte unter anderem an einer langen Saison liegen.
  • Das deutsche Spielsystem befindet sich seit 2005 im Aufbau. Nach dem Ausscheiden Ballacks wurde die Besetzung der Positionen noch einmal hinsichtlich Flexibilität und Vermeidung der Abhängigkeit von einem Spieler verändert. Im Klartext heisst dass, wir haben nicht nur mehr fähige Abwehspieler als angenommen, sondern auch im Mittelfeld Alternativen zu Bastian Schweinsteiger
  • Was Sie zerüttete Vorbereitung nennen, ist eine einzelne Phase eines bereits seit Herbst 2010 laufenden Prozesses. Das sollte auch Ihre Frage hinsichtlich der taktischen Fähigkeiten dieses Teams beantworten.
Und dann als finales Bonbon: Bitte erklären Sie uns doch einmal, warum Sie einerseits dem Spiel einer Ersatzmannschaft gegen die Schweiz eine derartige Bedeutung beimessen, nur um dann an diesem sonnigen Freitag Ihren Experten Toni Schumacher kommentarlos eine Aufstellung der NM präsentieren lassen, in der dieser einen Champions-League-gestählten Jerome Boateng auf die Bank setzen will, um an seiner Stelle  - perspektivisch denkend - einen Schmelzer aufzustellen, der mit einem unterirdischen Auftritt an mindestens zwei, wenn nicht drei Gegentoren in diesem wichtigsten Testspiel des Jahhunderts vom letzten Samstag beteiligt war. Oder gehen Sie mit Schumacher Konform, der
  • Boateng nicht links spielen lassen will, obwohl dieser das in der WM2010 hervorragend hinbekommem hat (u.a. gegen Argentinien)
  • gegen Robben (spielen wir nicht zuerst gegen Portugal?) nicht einen Vereinskameraden setzen will (der diesen in- und auswendig kennt), sondern einen Schmelzer, der den Robben ja "zweimal weggemacht hat"? 
Wirklich? Ihre entsetzliche Sorge um das Spiel gegen Portugal in allen Ehren, aber ein Schmelzer wird Sie nicht von Ihren Alpträumen befreien, es sei denn, Sie bereiten hier das nächste fussballerische Trauma vor, das wäre dann natürlich strategisch sehr geschickt.

Fazit: Bei aller Sympathie, aber Ihre dieswöchigen Beiträge zum Thema Fussball sprechen nicht gerade von Fachwissen. Aber vielleicht geht es den morgendlichen Zuschauern in Deutschland auch gar nicht darum. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass auch die Medien das uns Deutschen diagnostizierte Leiden und Jammern unterstützen und fördern wollen. Als öffentlich-rechtlicher Sender mit Tradition hat man schliesslich einen Auftrag, nicht wahr?

In diesem Sinne bis zum 9. Juni

Monday, May 28, 2012

Der EM-Blog 28. Mai - EURO2012-Blog May 28











Alles halb so wild.

Viel ist geschrieben worden über die 3-5 Niederlage gegen die Schweiz. Dabei treten - und das ist die gute Nachricht - wieder sämtliche journalistischen Zweifler sowie in den Foren die Fraktion der Löw-Basher (in der Folge Lamentierer) in den Vordergrund, die Trainer und Mannschaft jegliche Qualität absprechen und wie immer das Schlimmste befürchten.

Wir erinnern uns, nach dem verlorenen CL-FInale der Bayern 2010 und einem in der Qualifikation nicht immer runden Fussball wurde Joachim Löw erste Zielperson des deutschen Fan-Frusts und Punchingball zur Abreaktion des latenten Minderwertigkeitskomplex' der Berufszweifler. Die WM drohte laut den Unkenrufen dieser Experten zum Debakel zu werden - das Ergebnis ist bekannt.

Was die Lamentierer übersehen:
Seit Klinsmann ist das Team kontinuierlich schneller, moderner und auch kreativer geworden, die letzte Zäsur mit Sicherheit die Verletzung und folgende Verabschiedung von Michael Ballack. Lange einziger deutscher Weltklassespieler, Kapitän, Schaltzentrale und damit alleiniger Entscheider über Spieltempo und Aktion, steht an seiner Stelle nun ein Kollektiv mit verteilten Verantwortungen - und weitaus mehr spielerischen und personellen Alternativen.

Das Ergebnis ist bislang von der Platzierung her das gleiche: Ein dritter Platz bei der WM. Die Art jedoch, wie dieses Team heutzutage spielt, hat in der Welt Begeisterung hervorgerufen. Hier wird Qualität erkannt, die auf einer langfristig orientierten Überzeugung und Arbeit basiert. Fans aller Nationen klopfen einem heute auf die Schulter, weil sie das honorieren, worum es ihnen und uns allen geht: Durch guten Fussball unterhalten zu werden. In anderen Ländern herrscht Unzufriedenheit, wenn das Team schlecht spielt - nicht, weil man keine Pokale gewinnt.

In Deutschland, dem Land der Leistung und des Vorsprungs durch Technik ist das offensichtlich anders. Was man dort gerne vergisst: Dies ist ein Wettbewerb, da kann man auch mal eine ganze Weile lang als Zweiter reinkommen und trotzdem eine tolle Leistung abgeliefert haben. Das nennt man Sport und ich meine damit aktiven Wettkampf, nicht das Überstreifen eines Trikots, Bierstemmen, Kampflabern und die anschliessende Verbreitung des resultierenden Nonsens via Twitter, Facebook und Forenpostings.

Was die Lamentierer ebenfalls übersehen: 
Testspiele werden von niemandem ausser den Sparringspartnern Ernst genommen. Die Schweiz will mit ihrer Mannschaft eine olympische Medaille holen, Deutschland reiste mit halber Mannschaft, schweren Beinen und einigen völlig indisponierten Dortmundern an, die sichtlich erstaunt zur Kenntnis nehmen mussten, dass ihr Gegner schnell spielt und keine Rücksicht auf Spieler des deutschen Meisters nimmt.

Was wirklich alle Lamentierer übersehen: 
Es hat am Wochenende nicht ein Testspiel gegeben, bei dem ein Favorit auch nur im Ansatz überzeugt hat. Holland verlor daheim, Frankreich gewann ein eigentlich verlorenes Spiel glücklich in letzter Sekunde, Portugal schnarchte sich zu einem 0-0, England spielte wie immer schlecht und gewann knapp mit 1-0, Spanien gewann einen müden Kick mit 2-0, wobei all diese Teams weitgehend mit ihren ersten Mannschaften antraten.

Nur in Deutschland scheinen diese Ergebnisse irgendwie nicht angekommen zu sen. Da wurde gemutmaßt, die Bayern-Spieler trügen nach dem Debakel im Cl-Finale nun das Verlierer-Gen in sich - nach der Vorstellung der drei Dortmunder Hoffnungen Götze, Hummels und Schmelzer aber sollte man sich wundern, wenn es einer dieser drei in die Stammelf schafft. Aber, und das ist eine Lektion für die negative Fraktion: Auch nach der indiskutablen Vorstellung der Dortmunder Troika fordert kein Fan mit Gehirn deren Heimreise, denn wir alle wissen, dass sie die Zukunft in sich tragen. Wie man im Englischen so schön sagt: Eat this before you bash Bayern again...

Letzten Endes wird gegen Portugal die Mannschaft auflaufen, die sich über Jahre eingespielt, die WM verzaubert und die EM-Qualifikation ohne Punktverlust absolviert hat. All diese Errungenschaften scheinen bei der depressiven Fraktion deutscher Fussballfans schnell in Vergessenheit zu geraten.

Also, wie gesagt alles halb so wild. Im Juni werden auch die Lamentierer wieder an den Fanmeilen und den Grills des Landes stehen und jedem erklären, warum sie diesen tollen Fussball verehren und alles natürlich schon lange vorher gewusst haben.

Sunday, May 27, 2012

Merci mille fois, Anke!

..........................................................scroll for German version

Eurovision finals 2012 in Baku. A wonderful eye-massaging spectacle, praising the hosting nation in its most beautiful colours. A visualized brave new world in harmonic companionship - music unites.

Such aspects come in handy - especially, when the hosting nation is in fact a totalitarian regime, plastering every physical and ethical crack in its walls with millions earned from oil  and gas resources. Nothing beats an international mega-event when depicting a deeply undemocratic country as if Garden Eden had just been reopened.

Even more embarrassing for me that the pompous venue had been errected in record-time using German craftsmanship. But then, money beats human rights anytime - just ask our non-existent German foreign minister.

No, the world is a joyful festival of colours. Anyone who hadn't read the news about the situation in Aserbaidschan sat deeply impressed before the flatscreen yesterday and after visual postcard No.10 at the latest booked his flight to Baku. Or Karabakh for that matter, which had been depicted before Aserbaidschan's song and is currently finding itself amidst a power-struggle between the hosting country and Armenia.
So much for the Eurovision being not political.

Then, however, after literally every beautiful picture had been aired and the son-in-law of the reigning potentate had come down from heaven, pardon, had been abseiled from the ceiling of the mega-dome singing a woefully bad song - then it was time for Anke Engelke.

The German actress and comedian, known to people beyond German borders after her charming and witty presentation of the Eurovision 2011, spoke the following lines when announcing Germany's votes:

"Tonight, nobody could vote for their own country, but it is good to be able to vote and it is good to be able to have a choice. Good luck on your journey, Aserbaidschan - Europe is watching you"

Anke, I take a deep bow before you.
Mademoiselle Engelke, douze points.


.................................................and now for the Germans:


Eurovision-Finale 2012 in Baku. Ein buntes, wunderschön anzusehendes Spektakel, das das Gastgeberland in seinen schönsten Farben zeigt. Eine visualisierte heile Welt und ein harmonisches Miteinander - Musik verbindet.

Das ist besonders dann sehr nützlich, wenn das gastgebende Land in Wahrheit ein totalitäres Regime ist und mit seinen Ölmillionen jeglichen ethischen oder physikalischen Riss in seinen Mauern überkleistern kann. Nicht ist besser als ein internationales Grossereignis, um ein undemokratisches Land darzustellen, als sei der Garten Eden soeben wiedereröffnet worden.

Umso beschämender, dass die extra für diesen Zweck aus dem Boden gestampfte pompöse Halle in Rekordzeit mittels deutscher Facharbeit errichtet worden ist. Aber Geld ist nun mal wichtiger als Nichtigkeiten wie Menschenrechte, fragen Sie mal unseren nicht-existenten deutschen Aussenminister.

Nein, die Welt ist bunt und farbig. Wer nicht seit Wochen Zeitung las und sich über die Zustände in Aserbaidschan informieren konnte oder wollte, der saß gestern fasziniert vor dem Fernseher und buchte spätestens nach dem zehnten Einspieler seine Reise dorthin. Oder nach Karabach, das vor dem Gastgebersong portraitiert wurde und derzeit ein Streitobjekt zischen Aserbaidschan und Armenien ist.
Soviel zum Thema Eurovision als unpolitisches Event.

Dann aber, nachdem alle schönen Bildchen gesendet waren und der Schwiegersohn des Machthabers einen schlechten Popsong singend vom Olymp herabgestiegen, pardon, von der Hallendecke abgeseilt worden war - dann kam Anke Engelke.

Die deutsche Schauspielerin und Komödiantin, die letztes Jahr durch ihre witzige und charmante Moderation der Eurovision 2011 die Herzen aller Europäer gewonnen hatte, sprach folgende Sätze, als sie die deutsche Punktevergabe verkündete:

"Heute Abend konnte niemand für sein eigenes Land abstimmen. Aber es ist gut, wählen zu können. und es ist gut, eine Wahl zu haben. Viel Glück auf Deiner Reise, Aserbaidschan! Europa beobachtet Dich! Und hier sind die Ergebnisse der deutschen Jury…"

Anke, ich verneige mich vor Dir.
Mademoiselle Engelke, douze points.

Friday, May 25, 2012

Der EM-Blog 25. Mai - EURO2012-Blog May 25

Scroll for English version…


Die Vorbereitung zur EM geht in die heisse Phase und auch die Medien nehmen so langsam Fahrt auf. Wie zu erwarten sind unsere Freunde aus England am schnellsten und beginnen mit ihrer traditionellen anti-deutschen Berichterstattung.

Wir erinnern uns gerne an die äußerst unterhaltsamen Beiträge zur WM 2010, als die englischen Medien und Spieler sich lange und anhaltend darüber beklagten, dass Deutschland als einziges Team mit den (zugegeben äußerst seltsamen) WM-Bällen trainieren durfte. Das ging so lange, bis ein Reporter herausfand, dass auch andere Nationalteams mit den Bällen trainierten. In Einzelfällen hatten sogar Landesligen den Ball im Einsatz, um sich so besser auf die WM vorzubereiten. Nicht so England. Das lag einerseits am Vertragswerk der Premier League, aber vor allem daran, dass die Bälle bei der englischen FA durchaus angekommen, dann aber verschenkt oder verschlampt worden waren. Die beste Satire ist immer noch das reale Leben.

In diesem Jahr sind die Vorzeichen etwas anders, da England in erster Linie davor bangt, bereits in der Gruppenphase aus dem Turnier zu fliegen. Trotzdem läßt man es sich nicht nehmen, schon mal ein paar Breitseiten in Richtung Deutschland abzufeuern. Das ist gut so, andernfalls würde man doch etwas vermissen. Thema heute: Die Abschaffung des Elfmeterschiessens.

Dies ist eines der unsäglichen Themen, die der umtriebige Sepp Blatter immer dann in den Raum streut, wenn ein Grossereignis Schlagzeilen macht. So geschehen beim nicht gegebenen Tor der Engländer im Spiel gegen Deutschland in Bloemfontein 2010, als er am nächsten Tag eine bemerkenswerte 180-Grad-Wende von Merkelscher Qualität vollführte und den Einsatz der Torkamera forderte.  Dieses Mal ist er der Meinung, das Elfmeterschießen würde das Spiel ad absurdum führen und sei nicht gerecht.

Also ehrlich, Sepp: Wenn eine Entscheidung nicht im Spiel fällt, ist jede Form der herbeigeführten Entscheidung ungerecht. Vom Golden Goal über Schlammcatchen der Mannschaftskapitäne bis hin zu einer grosszügigen Spende für die Freunde des Blatterschen Wohltätigkeitsfonds.

Erheiternd sind die Reaktionen aus England. Wie üblich vermutet man hier eine grossangelegte Verschwörung gegen den englischen Fussball, organisiert von Blatter und seinem Spezi Beckenbauer. Hintergrund ist der Sieg des FC Chelsea über den FC Bayern im Finale der Champions League. Auch wenn da nur zwei Engländer zum Elfmeter antraten und der Gegner aus Bayern stammte - in England sah man das als das Ende des englischen Elfmetertraumas an. Blatters Vorstoss wird daher sofort als Antwort auf die Niederlage Deutschlands (nicht des FC Bayern) gewertet. Verständlich auf der einen Seite, immerhin haben die Jungs seit gefühlten 100 Jahren endlich mal einen Shootout gewonnen. Andererseits aber lassen die englischen Theorien zum Blatterschen Klüngel mit dem DFB einige Tatsachen ausser acht:
  • Beckenbauer ist erklärter Gegner der Abschaffung dieses Entscheidungsformats
  • Blatter hat ihn nicht zur Abschaffung beauftragt, es erging eine Anfrage an seine Arbeitsgruppe 2014, zu der auch Pelé, Gheorghe Hagi und Fernando Hierro gehören.
Und dann noch:
  • Nehmen wir mal an, der DFB hätte einen direkten Draht zum Onkel Sepp - wenn wir dauernd im Elfmeterschiessen gewinnen, warum wären wir dann so blöde es abschaffen zu wollen? Weil die Bayern dahoam nix grissen hobn? Da reicht es doch, Arjen Robben keine Elfer mehr schiessen zu lassen.

Seien wir also gnädig mit unseren Freunden von der Insel. Dort steigt die Nervosität angesichts der Leistungen vor zwei Jahren täglich, da tut so ein kleines Aufheulen und mit dem Finger auf den bösen Onkel zeigen ganz gut.

Und was das Elfmeterschiessen betrifft: Dem FC Cheslea sei es gegönnt, die haben über die letzten Jahre in der Champions Legue derart gelitten, dass sie wirklich und ehrlich einen Titel verdient haben, selbst wenn sie dazu alle elf Mann auf der Torlinie versammeln mussten.

In diesem Sinne, bis in Kürze




…and now for our English friends


As preparations for the EURO 2012 enter the final phase we can witness the media shifting into the next gear as well. Unsurprisingly, some of our English friends are the quickest by rejuvenating the traditional anti-German headlines surrounding every international tournament.

We all joyfully remember the entertaining comments during Worldcup 2010 when English media and players were continuously moaning about Germany gaining an unfair advantage by having had the chance to train with the weird Worldcup-footballs. The ramble went on until an innocent journalist found out that other nations had been training with these balls too. In some cases, even national leagues had adopted the ball for the second half of their seasons to get acquainted with the crappy tool.

Alas, not England. That was due to the contract situation of the EPL, but even more so because the English FA had actually been supplied with a whole string of these balls. Sadly, they had been lost or given away to collectors. The best comedy still is life itself.

This year, the wind blows from different directions. Firstly, because the English nation, still traumatized by the awful display of their team in South Africa, is mostly discussing whether the exit will happen during group stage or on the first knock-out stage. Still, some papers honour tradition by firing a few rounds at German football. Good on them, we would really miss something if things were different.
Today's topic: The abolition of penalty-shootouts.

This is one of these ludicrous untold hot-air contributions Sepp Blatter egests whenever something big (and tragic) happens on the lime-lit stage that is  football. It so happened when England's perfectly regular goal against Germany was disallowed in the game at Bloemfontein 2010. Blatter immediately did a U-turn of Angela-Merkel-proportions, loudly demanding for goal-line-technology while conveniently forgetting about having opposed the idea until then. Today, his newest credo is the injustice of dramatic losses during penalty shootouts.

Seriously, Sepp: If a game isn't decided during regular time, not one form of forced decision would be fair to anyone, be it a golden goal, mud-wrestling between the team-captains or a generous donation to the Blatter charity fund .

Reactions from England are nevertheless funny and predictable. As is the case whenever a UEFA or FIFA official opens his mouth, certain areas of the English media and die-hard user-comments on their websites are getting the scent of a large-scale conspiracy against English football - the whole thing this time orchestrated by Sepp and his pal Franz. Background is Chelsea's win against Bayern in this year's Champions League final. Even though only two Englishmen actually shot (and converted) a penalty, for England this was the end of a national trauma. While this is fully understandable after an ordeal lasting for generations, the theory of the German FA wheeling and dealing with the powers that be does overlook a few details:
  • Beckenbauer is not an accomplice in this lunatic idea, in fact he is opposed to the abolition of penalties.
  • He wasn't ordered to look into alternatives, there was a request for his work-group 2014, members of which include Pelé, Gheorghe Hagi and Fernando Hierro (all of them obviously German or of German descent).
And then finally:
  • Say the German FA really had uncle Sepp in their pockets - if we regularly win shootouts, why on earth would we be so utterly stupid to abolish this great exercise? Because Bayern blew it? Here, it would suffice to not letting Arjen Robben shoot a penalty. Done.

Let's be fair to our friends from the Shakesperian island: Nervousness over there is rising daily, so a little upset and pointing the finger at the bad guys helps getting your mind off things a bit.

And as far as shooting penalties is concerned, I really don't begrudge Chelsea for winning the title, seeing how much pain and frustration they had to endure in the campaigns of the previous years. They deserve the title, even if they had to assemble the entire team on the goal-line to win it.


See and read you soon, folks

Friday, May 18, 2012

Recycling 2012 - Politische Ökologie für Anfänger








Nun ist es passiert. Die Realität der freien Wirtschaft hat die Politik eingeholt. Mit Norbert Röttgen ist zum ersten Mal ein Minister von einem Tag auf den anderen gefeuert worden. Nicht zurückgetreten, sondern entsorgt, und zwar so schnell, dass er noch nicht mal selbst davon wusste, bis er es aus den Medien erfuhr.

Das ist schon beachtlich, selbst für eine autokratische Partei wie die Union unter Angela Merkel. Das Kabinett ist mit wenigen Ausnahmen eine Ansammlung fachlich ungeeigneter Opportunisten, was aber innerhalb eines Führungsstils der Marke Merkel durchaus gewollt bzw. sogar unabdingbar ist. Eine derartige Demontage wie die des Norbert Röttgen erstaunt in diesen Tagen jedoch nicht nur die Kritiker der Kanzlerin.

Wie gesagt, im Berufsleben ist so etwas völlig normal. Auch dort erleben wir täglich, wie sich aalglatte Karrieristen durch die Führungsebenen nach oben lavieren, immer die richtigen Sätze sagend, immer die richtigen Hände schüttelnd. Bei genauerem Hinsehen aber entdecken wir dann zumeist, dass auch das stärkste Netzwerk nicht über inhaltliche Mängel hinwegtäuschen kann. Muss es auch nicht.

In der Karriere zählt fachliche Qualifikation speziell in Führungsetagen nicht unbedingt zu den entscheidenden Faktoren. Die hier gefragten Skills sind in erster Linie sprachliches Können (Meetings und PR) sowie die Fähigkeit zur Delegation. Der Rest ist eine reine Frage der Organisation. Wer das nicht beherrscht, wird entsorgt. So weit so gut.

In der Politik mag das ebenso sein, nur waren hier in der Vergangenheit neben dem Füllwerk der Dampfplauderer und Hinterbänkler an den entscheidenden Positionen jedoch mehrheitlich Menschen am Start, die zumindest wussten, wovon sie redeten - und das über Parteigrenzen hinweg. Mit dem Anbruch des neuen Jahrtausends jedoch erstarkte eine bislang eher bedeutungsschwache Lebensform im politischen Biotop: Der Polit-Karrierist.

Zeitraum des Wachstums:
Die Welt nach dem kalten Krieg, dem erwärmenden Klima und  zusammenbrechender Finanzmärkte.
Biotop: Neo-Konservative und zentralistische Regierungs- und Parteiformen mit ständig fluktuierenden Posten und Verantwortlichkeiten, die sich um einen fixen Steuerkern drehen.
Merkmale: Nicht existente Fachkompetenz plus durchgängiger Weigerung zu klaren Statements und stringenten politischen Strategien, dazu ständige wechselnde Symbiosen.

Sicher, wir haben schon immer Politiker erlebt, die in Zeiten der Konfrontation Sätze mit Floskeln, wie "Ich habe immer gesagt, dass…" begannen und damit eigentlich "Ich hatte davon bis eben nichts mitbekommen und formuliere erst jetzt mal eben einen Standpunkt…" meinten. Diese zwar hilflose aber wenigstens durchschaubare Form des abrupten Meinungswandels gehört nun ebenfalls der Vergangenheit an.

Heute erleben wir Politiker, die zum Beispiel eine Energiewende propagieren, diese dann beim ersten Muskelspiel der Atomlobby widerrufen und das gleichzeitig abstreiten, nur um beim ersten Beben einer tektonischen Platte erneut zu verkünden, dass ihnen die Natur bei ihrem schon immer anvisierten Ziel nun Recht gegeben habe.

Der entscheidende Aspekt hierbei ist einfach: Es gibt keine Direktive, keine verlässliche Aussage, ergo muss auch für nichts die Verantwortung übernommen werden. Es zählt nur eines: Machterhalt um jeden Preis. Jede Entscheidung, auf die man festgenagelt werden könnte, jede politische oder wirtschaftliche Entwicklung, der man mit einem klaren politischen Bekenntnis entgegentreten müsste, wird schlicht und ergreifend ignoriert.

Gut, das kennen wir schon von Helmut Kohl, der das in seiner unnachahmlichen Art "Aussitzen" nannte. Die Spielform des neuen Jahrtausends hiervon könnte man als Merkeln bezeichnen. Dieses Gerundium stünde für ein Verhalten, das wir in der Natur bei einer bestimmten Insektenform beobachten können: Perfekte Tarnung und totale Reglosigkeit, durch die das Opfer ahnungslos in die Fänge gerät. Mit anderen Worten, komplette Stille bis zum Moment des Angriffs, der nur einem Zweck dient: Der Nahrungsaufnahme. Selbst Balzpartner werden nach getaner Arbeit verspeist. In ihrem Idealbiotop bewegt sich daher alles um dieses Insekt und ansonsten nichts.

Was das alles mit Röttgen zu tun hat? Ganz einfach: Er ist das Lehrbuchbeispiel für eine Lebensform, die dieses neue Biotop geschaffen hat. Diese dient nur dem Zweck der Energiespende - zuerst als Teil des Biotops und schlussendlich als Nahrung.

Das Problem: Rund um dieses neuartige Biotop befindet sich ein weitaus älteres, dem die Nahrungskette abhanden gekommen ist. Die Folge ist das fortschreitende Verschwinden alter Teilbiotope, das Aussterben einzigartiger Lebensformen  - das Ende kennt jeder.

Tuesday, May 15, 2012

3D - The death of cinematography

This is a cry for help or, let's say, mercy.

We are being invaded, hunted and haunted, dazed and confused by creatures, things and other flying objects spinning around our heads.

Crime-scene:
Movie theatre.
Victim: Everyone who enjoys classic cinematography.

The story:
I recently went to see The Avengers in 3D and was horrified. Now, don't get me wrong - I adore good action cinema and I love big screens, being a kid of the Seventies. I grew up with Sunday matinee shows such as 20,000 Leagues Under The Sea or 2001 Space Odyssey and I was there when Spielberg and Lucas began to unfold their world of magic and vision.

From then onwards, I flew through universes and took part on journeys, seeing pictures of such depth and detail that the brain kept processing them for hours after the show. Other directors such as Peter Weir, Stanley Kubrick, Ridley Scott, Peter Greenaway, Wolfgang Petersen and many more used the skill of photographers such as Greg Toland, Michael Ballhaus, Wally Pfister or Andrew Lesnie (look up the films they did and you know what I mean)

However, this 3D-thing ruins it all. Granted, The Avengers is not the big movie in need of any further quality hit below the belt. It is good action stuff but with nothing more in it. The story is a joke, the dramaturgy during the first hour such an ultimate bore that only thanks to THX I managed to wake up in time for the action part.

When I saw Harry Potter and the Deadly Hallows in 3D I already had a feeling that cinematography is losing its sole asset to these cheap glasses: image definition, sharpness and, most importantly, image depth. Take, for example, any movie of Ridley Scott or Steven Spielberg and look at the total-shots, there let your eyes wander from front to the backgrounds and still find countless details, actors and activities.

With 3D - all gone. The screen is reduced to
  • the three or four people talking right before your eyes
  • the drink/computer/gun in the foreground
  • a background matte that was even better in the 1930s and 
  • a lot of small flying objects in front of your nose.

What it does: You as a spectator are being deprived of the option to let your eyes wander. You cannot let a whole scenery sink into your mind, you are CONSTANTLY having your nose rubbed into those annoying three people in the forefront and when you dare to look elsewhere, you have these horrid things flying around you. As for The Avengers, the funny thing was that some of them flew in front of you (being small) and then towards the screen and past the three Stooges (getting bigger). So much for perspective.

So, watching a movie as we knew it is either dying fast or becoming an endangered species - at least as regards the blockbusters on the large screens. What's left is what we are supposed to see. No more, no less.

In many ways, this is what media and propaganda have been doing to us since TV came into our homes. Only now, the presentation gets too much importance and, here's the scary part, has long since become a tool. Today, the art of communication doesn't lie in the crafted picture itself anymore. The focus is on the content and even more on platform and presentation - therefore kindly letting us forget (or worse: not even miss) the context. Wag the Dog crafted a war out of a TV-News-Spot - The Avengers crafts a blockbuster out of a monster-muppet that would have Godzilla dying of laughter.

Of course, the aforementioned George Lucas is using 3D nowadays too, but then he had binned his vision for merchandise anyway. The Phantom Menace was and still is a tragedy, no matter in which dimension.

As regards the 3D show in Malta's Eden Leisure, the usual madness prevailed: The screen had to be reduced in size to show 3D (an oxymoron with the stress on the second part of the word), the sound - as always - was fake THX coming from the front and of course I missed the first minutes because the waiter at the bar wanted to hit the Guinness Book for the slowest poured Coke of all times. So, Eden Leisure as usual minus large screen, minus cinematography.

All in all, a bad deal. 3D doesn't add another dimension. If anything, it kills perspective as such.

If that is what movie-companies do to get people out of their home-theaters, I would have to say: They failed.

Miserably.

Saturday, April 28, 2012

Tandoori-Chicken Burger








..........................................................scroll for German version
 

This burger is an idea I had when I grilled Tandoori-Chicken. I am in love with Tandoori Masala and use it also for chicken steaks, so I thought what if you blend this into a burger-pattie and add some Indian flavours? The result is a burger that goes more for the exotic tastes:

Ingredients
600 g Chicken Mince
2 tbsp Tandoori Masala or paste
1 garlic clove
1 tbsp lime juice
1 tbsp strained yoghurt

4 burger-buns
4 large Iceberg salad leaves
2 tomatoes
4 slightly thicker slices of mild cow-cheese
4 tbsp Chili-Sauce
4 tbsp Mango Chutney

200 ml yoghurt
1 garlic clove
1tbsp Mayonnaise
1 tbsp mint freshly chopped


Method

Prepare the ingredients…
…grate the garlic cloves with the edge of a knife. Mix yoghurt, garlic lime juice and Tandoori Masala, then add to chicken mince and let marinate for 4 hours in the fridge. Blend yoghurt, mayonnaise, the rest of the garlic and mint, wash salad, cut tomatoes in thick slices. With wet hands, form 4 patties out of the mince and use a plate to flatten them a bit.

Grill patties, towards the end lay the cheese slices on the patties and let them melt a bit before putting the burger together. Also, warm the halved burger-buns on the grill.

The burger goes like this: Bottom bun, Mango chutney, pattie&cheese, tomatoes, chili-sauce, salad, yoghurt-sauce, top bun.


Ideas:
  • to make it more original, use Naan or a Pitta instead of burger-buns
  • add cucumber-slices to the tomatoes
  • add onions underneath the chilii-sauce layer, the onions can be marinated in a bit of oil and some brutal seasoning such as Pul-Biber

 .................................................and now for the Germans:

Tandoori-Chicken Burger

Die Idee zu diesem Burger kam mir beim Vorbereiten eines Tandoori-Huhns. Ich liebe Tandoori-Masala und benutze das auch für Steakmarinaden, also war der Weg zum Würzen eines Burger-Patties nur kurz. Das Ergebnis ist ein Burger für die Exoten unter uns:


Zutaten

600 g Hackfleisch vom Huhn
2 EL Tandoori Masala oder -Paste
1 Knoblauchzehe
1 tbsp Limettensaft
1 tbsp saure Sahne

4 Burger-Brötchen
4 grosse Eisbergsalatblätter
2 Tomaten
4 dicke Scheiben milder Käse (Kuhmilch)
4 EL Mango Chutney
4 El Chili-Sauce

200 ml Joghurt
1 Knoblauchzehe
1 EL Mayonnaise
1 EL frisch gehackte Minze


Zubereitung

Die Zutaten vorbereiten…
…die Knoblauchzehen mit dem Messerrücken feinreiben, saure Sahne, Knoblauch,  Limettensaft und Tandoori Masala verrühren, unter das Hack mischen und 4 Std. im Kühlschrank marinieren lassen. Den Joghurt mit Knoblauch, Mayo und Minze verrühren, Salat waschen, Tomaten in dicke Scheiben schneiden. Aus dem Hack 4 Burger-Patties formen und mit einem kleinen Teller flachdrücken.

Die Patties grillen und zum Schluss mit dem Käse belegen und etwas schmelzen lassen, gen Ende auch die halbierten Brötchen mit der Schnittseite nach unten auf dem Grill kurz anrösten.

Der Burger setzt sich zusammen aus: Untere Brötchenhälfte, Mango Chutney, Pattie mit Käse, Tomaten, Chili-Sauce, Salat, Joghurtsauce, obere Brötchenhälfte.


Ideen:
  • für einen authentischeren Burger, Naan oder Pitta-Brot benutzen
  • Salatgurkenscheiben zwischen Tomaten und Salat legen
  • Zwiebelscheiben unter die Chilisauce legen - den Zwiebeln kann man mit etwas Öl und einem Brutalgewürz wie z.B. Pul-Biber etwas Kick verleihen